Turgut Öker kandidiert für das türkische Parlament

Mit einer Pressemitteilung vom 16. Februar 2011 ist es nun offiziell geworden. Der Bundesvorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschland (AABF) und des europäischen Dachverbandes (AABK) Turgut Öker wird bei den Wahlen zum türkischen Parlament am 12. Juni als unabhängiger Kandidat ins Rennen gehen.

 Die AABF schreibt dazu in der Erklärung: „Breite Kreise der türkischen Bevölkerung und auch die Aleviten verfolgen die Entwicklungen der proislamischen AKP-Regierung mit Besorgnis. Deshalb ist es wichtig vor diesem Hintergrund nicht zu schweigen sondern eindeutig Stellung zu beziehen. Schon seit langem betonen wir, dass die Aleviten eine aktivere Rolle in der türkischen Politik spielen müssen.“

Um die Forderungen der Aleviten und auch anderer Minderheiten während des Wahlkampfes und anschließend im Parlament artikulieren zu können hat sich nun Turgut Öker dazu entschieden, sich als unabhängiger Kandidat aufstellen zu lassen. Bereits wenige Wochen zuvor hatten die Vertreter der Alevitischen Dachverbände aus 12 europäischen Ländern bekundet eine solche Kandidatur unterstützen zu wollen.

Turgut Öker hat in den letzten 20 Jahren maßgeblich am Aufbau der Alevitischen Gemeinde in Deutschland (AABF) mitgewirkt. In diesen Jahren feierten die Aleviten viele Erfolge, darunter die Anerkennung als Religionsgemeinschaft nach dem Grundgesetz, die Erteilung des Alevitischen Religionsunterrichts als ordentliches Schulfach an Grundschulen, der Aufbau des eigenen Fernsehsenders Yol TV und des eigenständigen Printmediums „Stimme der Aleviten“ und die Etablierung des eigenständigen Jugendverbandes BDAJ. Aktuell ist Öker im zwölften Jahr Bundesvorsitzender der Alevitischen Gemeinde Deutschland. Öker wurde 1961 in Yıldızeli (Provinz Sivas) geboren und lebt seit dem Militärputsch 1980 in Deutschland. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter.

Die antidemokratische 10 % Sperrhürde für die Parteien verhindert in der Türkei weiterhin, dass Minderheiten im Parlament vertreten werden. Deshalb kandidierten viele Intellektuelle und Prominente auch schon 2007 unabhängig für das Parlament. Die prokurdische BDP stellte so 22 Abgeordnete und konnte eine eigene Fraktion bilden. Dennoch erachten viele Experten und Menschenrechtler die Wahlhürde von 10 %, welche übrigens die höchste in Europa ist, als undemokratisches Element in der Türkischen Republik.

Öker begründet seine Entscheidung als unabhängiger Kandidat wie folgt: „Leider haben wir gesehen, dass trotz des Wechsels in der Parteispitze der Sozialdemokratischen Partei die Aleviten massiv unterrepräsentiert sind. Im Parteivorstand sind die Aleviten mit nur 3 % vertreten, obwohl sich die Wählerschaft der CHP größtenteils aus den Aleviten rekrutiert.“

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