Erste Heimat ist Deutschland

Friedrichshafen – „Wir wollen zeigen, dass wir da sind.

Freuen sich auf viele Gäste beim Fest der Alevitischen Gemeinde in der Rotachhalle (von links): Guerbuez Kazankaya, Onur Erdogan, Hasan Gecici, Dilek Erdogan (Mitglied des Frauenrats) Kazim Guendogan (Vorsitzender des Männerrats), Akel Yudum Bektas, Damla Avsar (Pressesprecherin) und Bahar Agcicek ((Vorsitzende des Frauenrats).
Südkurier Bodenseeregion vom 14.05.2011

Wir sind lange genug unterdrückt worden.“ Kazim Gündogan spricht klare Worte – als Vorsitzender der Alevitischen Gemeinde Friedrichshafen, die am 28. Mai in der Rotachhalle Ailingen ihr einjähriges Bestehen feiert und sich auf viele Gäste aus der Häfler Bevölkerung freut.

Die Aleviten in Deutschland sehen sich selbst als eine „naturverbundene, tolerante, weltoffene, Bescheidenheit und Nächstenliebe ausstrahlende Konfession des Islam“. Scharia und Sunna – Gesetzeskodes und Verhaltensformen des orthodoxen Islam – werden abgelehnt. Die Aleviten setzen sich für Religionsfreiheit, Menschenrechte und Gleichberechtigung der Frau ein. „Leider gibt es für uns in der Türkei viele Probleme“, sagt Kazim Gündogan. „Die alevitische Religion ist dort verboten, laut Gesetzbuch gibt es uns gar nicht.“ Wikipedia schätzt, dass die Aleviten in der Türkei etwa 15 bis 30 Prozent der Bevölkerung ausmachen – in Deutschland wird von 500 000 Aleviten ausgegangen. „In Deutschland sind wir anerkannt. Ab dem kommenden Studienjahr werden an der Pädagogischen Hochschule Weingarten sogar Alevitische Religionslehrer ausgebildet“, ist der Gemeindevorsitzende für die Akzeptanz dankbar.

Fakt ist, dass die Häfler Alevitische Gemeinde in der Adelheidstraße seit einem Jahr ein Zuhause gefunden hat, das sie nicht mehr missen möchte. 90 Familien sind offizielle Mitglieder, der erweiterte Kreis der Gemeinde umfasst 250 Familien mit etwa 1000 Männern, Frauen und Kindern meist türkischer oder kurdischer Herkunft. Statt wie früher zur Alevitischen Gemeinde nach Ravensburg fahren zu müssen, kann man sich jetzt im eigenen Gebetshaus treffen.

Dass Frauen und Männer dort gemeinsam beten, ist eine Selbstverständlichkeit, wie Frauenratsvorsitzende Dilek Erdogan berichtet. Chor und Folkloregruppe, Frauengruppe und der wöchentliche Kurs zum Erlernen des Spiels aus dem anatolischen Saiteninstrument „Saz“ gehören ebenso zum Gemeindeleben, wie Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe, Deutsch- und Computerkurse – auch gemeinsames Grillen und Tanzen kommt nicht zu kurz. „Viele Jugendliche wissen wenig über den alevitischen Glauben“, sagt Pressesprecherin Damla Avsar. „Für uns geht es darum, zu unserer eigenen Identität zu finden und ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln.“
„Wir gehen Streitigkeiten aus dem Weg, versuchen Vergleiche mit anderen muslimischen Glaubensrichtungen – wie etwa den Sunniten – zu vermeiden“, sagt Kazim Gündogan. „Wir suchen auch den Kontakt zu christlichen Gemeinden.“ Gerne bringt man sich im Christlich-Muslimischen Gesprächskreis oder im städtischen Integrationsausschuss ein und zeigt Präsenz beim Weltfrauentag, dem Seehasenfest oder beim Internationalen Stadtfest. Integration ist und bleibt ein zentrales Thema. „Unsere erste Heimat ist Deutschland“, betont der Vorsitzende der Hälfer Alevitischen Gemeinde.

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