Integrationspolitische Forderungen der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V.

Mit ihren ausgewählten integrationspolitischen Forderungen, die sich im vorliegenden Dokument vor allem auf die

a) flächendeckende Einführung des alevitischen Religionsunterrichts,

b) Etablierung der alevitischen Glaubensrichtung in Lehre und Forschung an deutschen Universitäten,

c) Ausbildung von alevitischen Geistlichen in Deutschland,

d) Anerkennung der AABF als Körperschaft des öffentlichen Rechts sowie die

e) Einrichtung einer Informations- und Dokumentationsstelle über das Alevitentum beziehen, möchte die AABF eine wichtige Debatte zu den derzeit drängendsten gesellschaftspolitischen Fragen der in land lebenden Alevitinnen und Aleviten anstoßen.

Einleitung

Im Jahre 2009 hat die Alevitische Gemeinde Deutschland e.V. (nachfolgend AABF) ihr 20-jähriges Jubiläum gefeiert.
Sie ist eine noch junge Religionsgemeinschaft, die mit der Migration seit den 1960er Jahren in die Bundesrepublik Deutschland eingewandert ist. Es dauerte 20-30 Jahre, bis sich alevitische Migrantinnen und Migranten selbst organi-sierten. Heute ist die AABF in allen wichtigen gesellschaft-lichen Bereichen und auch in der Politik fest etabliert.
Der größte Erfolg der AABF ist sicherlich die Anerkennung als Religionsgemeinschaft gem. Art. 7 Abs. 3 GG in Deutschland. Als Konsequenz dieser Anerkennung wurde der alevitische Religionsunterricht an staatlichen Schulen nach den gleichen Maßstäben wie evangelischer und katholischer Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach eingeführt.
Die Erteilung des alevitischen Religionsunterrichts als reguläres Unterrichtsfach an staatli-chen Schulen stellt für die in Deutschland lebenden Alevitinnen und Aleviten eine historische und gesellschaftspolitische Errungenschaft dar.
Die AABF möchte sich jedoch nicht nur auf das bereits Erreichte besinnen, sondern auch den Blick in die Zukunft richten. In eine gemeinsame Zukunft, in unsere Zukunft in Deutsch-land.

[Die Erteilung des alevitischen Religionsunterrichts als regulä-res Unterrichtsfach an staatli-chen Schulen stellt für die in Deutschland lebenden Alevitin-nen und Aleviten eine histori-sche und gesellschaftspolitische Errungenschaft dar.]

Was erwartet uns in den nächsten 20 Jahren?

In den nächsten 20 Jahren erwartet die AABF eine intensive Beschäftigung mit Themen, die für alle Menschen in Deutschland eine Herausforderung darstellen und die mit vielen intelli-gent zu führenden Debatten, Entbehrungen, aber auch gegenseitigen Kompromissen und nach wie vor „unlösbaren“ Schwierigkeiten verbunden sein werden.
Die demographische Entwicklung in Deutschland betrifft auch sehr viele Alevitinnen und Ale-viten. Was machen wir im Alter? Wer wird uns im Ernstfall pflegen können? Können wir uns ein humanes Leben in Würde leisten, wenn wir älter werden?

Die Wirtschafts- und Finanzkrise und die damit verbundene Arbeitsmarkt- und Sozialproble-matik haben natürlich auch Auswirkungen auf Menschen mit Migrationshintergrund.
Trotz verbesserter Integrations- uns Bildungsleistungen sind viele alevitische Jugendliche unmittelbar von Arbeitslosigkeit und sozialer Armut betroffen.

Die Radikalisierung von Jugendlichen in unserem Land ist ebenfalls ein Problem, dass die AABF hier exemplarisch anbringen möchte. Sie möchte jedoch mit Nachdruck betonen, dass sie nicht ausschließlich die Radikalisierung deutscher Jugendliche im Sinne eines Rechts-rucks meint. Es darf keine doppelten Standards bei menschenverachtenden, intoleranten und demokratiefeindlichen Orientierungen, Bestrebungen und Strömungen zwischen Ju-gendlichen mit und ohne Migrationshintergrund geben. Im Fokus muss auch immer mehr die Auseinandersetzung mit religiöser Radikalisierung stehen.

Die Naivität und Uneinsichtigkeit, mit der die Gesellschaft und die Politik bislang an das Thema Islamisierung, insbesondere unter Jugendlichen, herangegangen sind, können wir uns in der Zukunft nicht mehr leisten.

Überall gibt es akute Probleme und komplexe Fragestellungen. Es gibt aber auch Lösungen und Antworten:
Organisationen mit Migrationshintergrund – so auch die AABF – haben sich in ihrer bisheri-gen Verbandsarbeit meist auf das Feld der Migrations- und Integrationspolitik beschränkt oder lange Zeit die Politik im Herkunftsland auf der politischen Agenda ganz oben gehabt. Dies war einseitig und muss zukünftig geändert werden.

Migrantenselbstorganisationen können und dürfen es sich nicht mehr leisten, ihre gesamte Arbeit nur auf die Felder Migrations- und Integrationspolitik zu beschränken. Damit gefähr-den sie sukzessive ihre eigene Existenzberechtigung.

Wir, die AABF, wollen in Zukunft mitreden. Mitreden, in allen politischen Feldern, die nicht nur Alevitinnen und Aleviten betreffen. Daher wollen wir perspektivisch gesehen unsere Ge-meinden mittelfristig zu Integrationszentren ausbauen, die im Sinne der Interkulturellen Öff-nung für alle Mitglieder dieser Gesellschaft zugänglich gemacht werden sollen.

Genauso wie zu Beginn der Immigration nach Deutschland viele von uns in christlichen Ge-meinden Unterstützung und Aufmerksamkeit in fremder Umgebung bekommen haben, wol-len wir diese Hilfsbereitschaft und Wilkommenskultur allen Menschen entgegenbringen.

Die AABF möchte und wird sich in Zukunft als kompetenter, verlässlicher und strategischer Ansprechpartnerin für alle am politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben be-teiligten Akteure in Deutschland positionieren. Dies empfindet sie als selbstverständliche Verpflichtung gegenüber diesem Land und dieser/unserer Gesellschaft.

Ob Integration gelingt oder scheitert – wir wissen, wie vielfältig die Gründe hierfür sind. Die Kenntnis der deutschen Sprache und bessere Bildungschancen gehören ebenso dazu, wie Eltern, die Wert auf die Bildung ihrer Kinder legen und diese nicht mit physischer und psychi-scher Gewalt, sondern mit Respekt und Liebe erziehen.

Hier könnten noch viele Gründe aufgeführt werden, die öffentliche Integrationsdebatte wird dem leider nicht immer gerecht. Zu oft wird dabei auch ein Gegensatz zwischen „uns“ und „den Anderen“ aufgebaut. Tatsächlich definieren sich Menschen auch durch die Differenz zu Anderen, das ist an sich nichts Schlechtes.

Wir müssen jedoch alle ein Interesse haben, dass wir uns als eine Gesellschaft begreifen. Dabei spielt auch die politische Kultur eine ent-scheidende Rolle. Ein Wahlkampf wie in Hessen schadet dabei ebenso wie der Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten in Köln. Denn beide verhindern, dass Migrantinnen und Mig-ranten „ihre Antennen nach Berlin und in die Landeshauptstädte ausrichten“. Doch genau das müssen sie tun, um diese eine Gesellschaft zu begründen, innerhalb derer es sich dann auch einfacher streiten lässt.

Es besteht immer ein gewisser Assimilationsdruck durch die Gesellschaft des Landes, in das man einwandert oder hineingeboren wird. Das ist aber in Deutschland – bei weitem – kein bedrohlicher Zwang und deshalb auch kein Verbrechen. Assimilation kann nur als erlittene, also aufgezwungene Anpassung “ein Verbrechen” sein. Wer Assimilation ganz generell, also auch in der freiwilligen Form als Verbrechen bezeichnet, der ist ein Feind der Freiheit und ein Feind der freien Selbstbestimmung eines jeden Individuums.

Entscheidend ist, dass es in Deutschland zur Normalität wird, dass Menschen mit Migrati-onsgeschichte in unterschiedlichsten Ebenen des Staates Karrieren machen und den nächs-ten Schritt vollziehen – nämlich von der Legislative in die Exekutive. Erst seit kurzem gibt es in zwei Bundesländern Menschen mit Migrationsgeschichte in der Regierung.
Solange wir kein Wir-Gefühl erzeugen, solange werden sich Migrantinnen und Migranten nicht mit Deutschland identifizieren können. Wer möchte, dass sie sich mit Deutschland iden-tifizieren, der muss auch zulassen, dass sie ein selbstverständlicher Teil unseres Landes sind.

Diesen Widerspruch müssen der Staat und die Gesamtgesellschaft endlich lösen.

Gegenwärtige Integrations- und Islamdebatte

Die Integrationsdebatte, die derzeit in Deutschland geführt wird, ist geprägt von der Suche nach geeigneten Formeln für eine erfolgreiche Integration, vor allem jener zugewanderten Gruppen, die ihre kulturellen Wurzeln in der Türkei haben.

Diese Debattenlandschaft ist vielfach religionisiert und bisweilen nur noch auf den Islam reduziert. Auch im 21. Jahrhundert werden fast alle Menschen aus der Türkei immer noch undifferenziert als Muslime bezeichnet. Sowohl die Religion Islam als auch ihre Gläubigen „Muslime“ werden vielfach als „ein monolithischer Einheitsblock“ betrachtet.

Seit dem der Bundespräsident Christian Wulff anlässlich seiner Rede zum 20. Gedenktag der Wiedervereinigung geäußert hat, dass der Islam inzwischen auch zu Deutschland gehö-re, ist die Debatte über die Rolle des Islams in Deutschland erneut entfacht.

Was Befürworter und Gegner einer Aufwertung oder gar rechtlichen Gleichstellung des Is-lams mit den etablierten Großkirchen – etwa der evangelischen oder der katholischen Kirche – ignorieren, ist die Tatsache, dass in dieser gesamten Debatte zum wiederholten Male Ale-viten unberücksichtigt bleiben.

Als Bundesverband der in Deutschland lebenden Aleviten steht die AABF für Menschenrech-te, Freiheit und Demokratie. Er verteidigt die Werte der Aufklärung und des Humanismus, dazu gehören auch die Erinnerung und das Bewusstsein für histori-sche Ereignisse.

Zu keiner Zeit hat der Bundesverband Zweifel daran aufkommen lassen, dass er auch im Namen seiner Mitglieder glücklich und dankbar zugleich ist, dass Aleviten in Deutschland Religionsfreiheit und Aner-kennung genießen, die ihnen in ihren Herkunftslän-dern bis heute verwehrt bleiben.

Heute sind wir Aleviten allerdings tief enttäuscht. Enttäuscht von dem, wie sich die deutsche Debatten-landschaft zur Integrationspolitik entwickelt hat. Ent-täuscht von den politisch Verantwortlichen, die offen-sichtlich nur dann tätig werden, wenn muslimische Interessenverbände, die zuweilen für sich Alleinver-tretungsansprüche erheben, mit aggressivem Auftre-ten ihren überzogenen Forderungen Nachdruck verleihen.

Dies bedeutet natürlich nicht, dass wir Aleviten gegen die staatliche Anerkennung des Islams als Religionsgemeinschaft oder gar gegen die Einrichtung von Lehrstühlen für islamische Theologie sind – sie möchten in dieser Debatte nicht mehr länger unsichtbar bleiben und wie Bürgerinnen und Bürger 2. Klasse behandelt werden.

[Heute sind wir Aleviten allerdings tief enttäuscht. Enttäuscht von dem, wie sich die deutsche Debatten-landschaft zur Integrationspolitik entwickelt hat. Enttäuscht von den politisch Verantwortlichen, die of-fensichtlich nur dann tätig werden, wenn muslimische Interessenver-bände, die zuweilen für sich Allein-vertretungsansprüche erheben, mit aggressivem Auftreten ihren über-zogenen Forderungen Nachdruck verleihen.]

Zu Recht werden in der öffentlichen Debatte Fehlleistungen und falsche Prioritätensetzung der politisch Verantwortlichen aller Re-gierungen beklagt. Zu Recht müssen in der gegenwärtigen Migra-tions- und Integrationspolitik Illusionen aufgebrochen werden. Niemand bestreitet diese Tatsache mehr.

Nur geht es in dieser Debatte weniger um Milde oder Härte, son-dern mehr darum, diese gründlich, präzise und mit aller Klarheit zu führen.
Die gegenwärtige Debattenlandschaft sollte deshalb zum Aus-gangspunkt für eine sachliche Diskussion über die Voraussetzun-gen einer inklusiven Gesellschaft in Deutschland genommen wer-den. Während der Begriff „Integration“ sich stärker auf die Wie-derherstellung einer „Einheit“ und damit vor allem auch auf be-sondere, in der Regel additive, Maßnahmen bezieht, geht der Begriff „Inklusion“ weit darüber hinaus und fordert das Einbezie-hen aller Menschen unabhängig ihrer tatsächlichen und/oder an-genommenen ethnischen Herkunft, Religion, Behinderung, sexu-elle Identität etc. als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft und eben nicht das Einbezogen-Werden als „neues“ Mitglied in die Gesellschaft.

Inklusion ist nicht nur Ausdruck einer Vision von einer Gesell-schaft, die es in Anerkennung der Gleichheit und Verschiedenheit der Menschen erst gar nicht zu Ausgrenzung kommen lässt, son-dern ein Menschenrecht, das selbstverständlich für Alle gilt.
Mit ihren ausgewählten integrationspolitischen Forderungen, die sich im vorliegenden Dokument schwerpunktmäßig auf die

a) flächendeckende Einführung des alevitischen Religi-onsunterrichts

b) Etablierung der alevitischen Glaubensrichtung in Leh-re und Forschung an deutschen Universitäten

c) Ausbildung von alevitischen Geistlichen in Deutsch-land

d) Anerkennung der AABF als Körperschaft des öffentli-chen Rechts sowie die

e) Einrichtung einer Informations- und Dokumentations-stelle über das Alevitentum beziehen, möchte die AABF eine wichtige Debatte zu den derzeit drängendsten gesellschaftspolitischen Fragen der in Deutschland lebenden Alevitinnen und Aleviten anstoßen.

[Inklusion ist nicht nur Aus-druck einer Visi-on von einer Ge-sellschaft, die es in Anerkennung der Gleichheit und Verschie-denheit der Men-schen erst gar nicht zu Aus-grenzung kom-men lässt, son-dern ein Men-schenrecht, das selbstverständ-lich für Alle gilt]

Flächendeckende Einführung des Alevitischen Religionsunterrichts in allen Schulformen und –stufen sowie deren angemessene personelle und finanzielle Ausstattung

Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern führten im Schuljahr 2008/2009 in den Grundschulen den alevitischen Religionsunterricht (ARU) nach § 7.3 des Grundgesetzes ein.
Das Land Hessen hat den ARU im Schuljahr 2009/2010 eingeführt und das Land Baden-Württemberg (ARU seit dem Schuljahr 2007/2008) wird im kommenden Schuljahr den Unterricht von bisher 2 auf 17 Standorte ausweiten.

Allein in Nordrhein-Westfalen besuchen im jetzigen Schuljahr ca. 400 Schülerinnen und Schüler den ARU. Im laufenden Schuljahr wurde der ARU sowohl in Niedersachsen als auch im Saarland eingeführt.
Der ARU wird bislang von Lehrkräften alevitischer Zugehörigkeit erteilt. Der Lehrplan für den ARU wurde durch eine interdisziplinär besetzte Kommission erstellt und trat am 01. August 2008 in Nordrhein-Westfalen in Kraft. Anhand dieses Lehrplans wird in den genannten Bundesländern der ARU erteilt.

Das Schulministerium Nordrhein-Westfalen beauftragte eine Kommission mit der Erarbeitung eines Lehrplans zur Erteilung des ARU in der Sekundarstufe I. In Nordrhein-Westfalen wird der ARU in der Sekundarstufe I voraussichtlich ab dem Schuljahr 2011/2012 eingeführt.

In allen Bundesländern, in denen der ARU in deutscher Sprache gelehrt wird, wird das vor-handene Lehrpersonal alevitischen Hintergrunds zur Erteilung dieses Unterrichts eingesetzt. Diese alevitischen Lehrkräfte können den ARU nur dann adäquat erteilen, wenn sie hierfür eine entsprechende Qualifikation erworben haben. Zu diesem zertifizierten Kurs, der durch die Alevitische Gemeinde Deutschland e.V. durchgeführt wird, benötigen die Lehrkräfte eine offizielle Abordnung durch die jeweils zuständige Schulbehörde.
Selbstverständlich kann der derzeit durchgeführte Qualifizierungskurs zur Erteilung des ARU ein reguläres Studium der alevitischen Religionslehre nicht ersetzen. In der Vergangenheit gab es zum wiederholten Male Schwierigkeiten bei der Abordnung von Lehrkräften zu der bereits genannten Qualifizierungsmaßnahme, da diese an ihren Stammschulen dringend benötigt werden.

Eine flächendeckende Einführung des alevitischen Religionsunterrichts in allen Schulformen und –stufen sowie deren angemessene personelle und finanzielle Ausstattung sind unab-dingbar. Nur so ist aus der Sicht der AABF eine Gleichstellung von Menschen alevitischen Glaubens mit Mitgliedern etablierter Religionsgemeinschaften wie den evangelischen Kir-chen, der katholischen Kirche und der jüdischen Religionsgemeinschaft gewährleistet.

Etablierung der alevitischen Glaubensrichtung in Lehre und For-schung an deutschen Universitäten

Zurzeit existieren bundesweit keine universitären Angebote zur Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern für den alevitischen Religionsunterricht. Die westfälische Wilhelms-Universität z.B. bildet im „Centrum für Religiöse Studien (CRS)“ ausschließlich sunnitisch-islamische Lehrkräfte aus. Auch an den Universitäten in Osnabrück und Frankfurt am Main werden an den islamischen Lehrstühlen keine alevitischen Lehrinhalte vermittelt.

Wenngleich die Alevitische Gemeinde Deutschland e.V. seit 2005 als Religionsgemeinschaft gemäß Artikel 7 Abs. 3 GG in Deutschland anerkannt ist und mittlerweile, wie verschiedentlich schon erwähnt, in 6 Bundesländern der alevitische Religionsunterricht als reguläres Unter-richtsfach in deutscher Sprache praktiziert wird, gibt es noch keinen eigenständigen Lehrstuhl für die alevitische Lehre.

Somit sind wir heute an einem Punkt angelangt, der uns im positiven Sinne zwingt, zu handeln und dem Lehran-gebot an deutschen Hochschulen einen weiteren, ge-wichtigen Baustein hinzuzufügen: Einen eigenständigen Lehrstuhl für die alevitische Lehre.
Die AABF stellt sich dieser Herausforderung und möchte die verantwortungsvolle Aufgabe der Ausbildung aleviti-scher Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland überneh-men. Das gleiche gilt für die Ausbildung von alevitischen Geistlichen beiderlei Geschlechts.

Um die Möglichkeiten der Einrichtung eines Zusatzfaches zu eruieren, haben Vertreterinnen und Vertreter der AABF bereits mit der Universität zu Köln und der Univer-sität Essen/Duisburg Kontakt aufgenommen.

Lehramt-Studierende sollten zumindest die Möglichkeit erhalten, im Rahmen ihrer universitären Ausbildung ein Zusatzfach „Alevitische Religionslehre“ zu ihren obligato-rischen Studienfächern zu belegen.
Perspektivisch gesehen sollte das Ziel jedoch die Einrichtung eines eigenständigen Lehr-stuhls für die alevitische Lehre und Forschung von einer den evangelischen und katholischen Lehrstühlen vergleichbaren religionswissenschaftlichen Qualität sein.

Ausbildung von alevitischen Geistlichen (dede/ana) an den Hoch-schulen in Deutschland

Auch die Ausbildung von alevitischen Geistlichen beiderlei Geschlechts in akademischen Kontexten sollte in den Fokus landes- und universitätspolitischer Grundsatzentscheidungen rücken.

Im Rahmen eines Modellprojektes und in enger Kooperation mit kirchlichen Einrichtungen etwa könnten die rechtlichen, strukturellen, inhaltlichen, personellen und finanziellen Rah-menbedingungen eines solchen akademischen Studienganges eruiert werden.

Dem Lehrangebot an deut-schen Hochschulen muss ein weiterer, gewichtiger Bau-stein hinzugefügt werden – ein eigen-ständiger Lehrstuhl für die alevitische Lehre.
Sowohl die Ausbildung von Lehrkräften für den alevitischen Religionsunterricht als auch die Aus-bildung von aleviti-schen Geistlichen muss unter ver-gleichbaren religi-onswissen-schaftlichen Stan-dards erfolgen wie die der evangeli-schen Kirchen und der katholischen Kirche.

Anerkennung der Alevitischen Gemeinde Deutschland e.V. als Kör-perschaft des öffentlichen Rechts

Die AABF ist sehr darum bemüht, als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt zu werden. Sie ist als einzige Organisation mit einem Türkei-Hintergrund in 6 Bundesländern als Religionsgemeinschaft nach Art. 7 Abs. 3 GG anerkannt. Die Anerkennung erfolgte bislang in ausschließlich CDU-regierten Bundesländern.

Der Antrag der AABF zur Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts ruht augen-blicklich in der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalens.

Nach herrschender Auffassung von Kirchen-, Staats- und Verwaltungsrechtlern bestünde bereits jetzt die Möglichkeit für eine Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts; allerdings erfüllt der Bundesverband noch nicht das Kriterium des 30-jährigen Bestehens, da er erst seit 21 Jahren existiert. In der fundierten Analyse von Kirchen-, Staats- und Verwal-tungsrechtlern wird jedoch das 30-jährige Bestehen einer Religionsgemeinschaft als Ausle-gungskriterium gewertet, ohne dass diese Auffassung gesetzlich gesehen eine unabdingbare Voraussetzung darstellt.

Die Anerkennung der AABF als Körperschaft des öffentlichen Rechts wäre eine Chance für die transkulturelle und –religiöse Gesellschaft Deutschlands.

Da eine solche Anerkennung als Rechtsakt durch den Staat bestimmt werden kann, ist es wichtig, dass die Bundes- und Länderregierungen die positiven Entwicklungen der AABF als Bundesverband wahrnehmen und wertschätzen.

Einrichtung einer Informations- und Dokumentationsstelle über das Alevitentum Die alevitische Lehre wurde seit Jahrhunderten aufgrund der bis heute noch bestehenden Verfolgung zum größten Teil mündlich überliefert. Daher bemüht sich der Bundesverband nachhaltig um die Erhaltung und Förderung der Gedenkkultur des Alevitentums.

Historische Dokumente, Film- und Bildmaterial sowie Zeitzeugenberichte und Ähnliches ge-hören zum Fundus der AABF, der nicht länger nur einem begrenzten Personenkreis zugäng-lich sein sollte. Dieses umfassende Material an historisch bedeutsamen Dokumenten sollte endlich in Form einer Informations- und Dokumentationsstelle der Gesamtgesellschaft zur Verfügung gestellt werden..

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